Der Urlaub muss noch warten, erst kommt Christian Gentner
Fußball: Der VfB-Profi war Trainingsgast bei den E-Junioren des TSV Miedelsbach / Cola für jeden, der Gentner überwand
Der 30. Juni 2006 wird Deutschland lange in Erinnerung bleiben: den meisten als der Tag, an dem die deutsche Mannschaft das WM-Halbfinale erreichte. Den E-Junioren des TSV Miedelsbach zusätzlich als der Tag, an dem sie mit VfB-Profi Christian Gentner trainiert haben.
Und was war nun besser? Der deutsche Sieg oder die Übungseinheit mit dem Stuttgarter Mittelfeldspieler? Nelly antwortet diplomatisch: „Beides.“ Ihr Strahlen aber, als sie auf die Autogramme auf ihren Schuhen deutet, zeigt, dass sie sich eindeutiger festgelegt hat. Ihre Eltern mussten auch eigens die Fahrt in den Urlaub aufschieben, weil Nelly unbedingt mit Gentner trainieren wollte. Und das an ihrem zehnten Geburtstag. Für den Rest von Markus Pertuchs Mannschaft war dieser Freitagabend nicht weniger bedeutsam. Im Mittwochtraining hatte er es verkündet. „Die wären am liebsten gar nicht mehr heimgegangen“, sagt er. Und hätten auf dem TSV-Gelände ausgeharrt bis zum großen Moment.
Der verzögert sich dann jedoch. Gentner schaut sich das WM-Spiel bei seinem Berater Jürgen Schwab in Winterbach an und will sofort nach Schlusspfiff losfahren. Jetzt muss er aber das Elfmeterschießen abwarten.
In Miedelsbach fällt das Warten nicht schwer. Alle starren gebannt auf die große Leinwand im Vereinsheim, die Kleinen in den ersten Reihen. Auf den erlösenden Jubel über den deutschen Sieg folgt die Freude über Besuch aus der Bundesliga.
Gentner, assistiert von Jürgen Schwab, gestaltet mit den 20 E-Junioren kein durchorganisiertes Training. Er gibt ein paar Übungen vor, macht selbst mit und wirkt in dem wilden Haufen wie ein großer Bruder, der sich bei den Kleinen sichtlich wohl fühlt. Da necken ihn mal Nelly und Mandy, Jannik springt ihn von hinten an und wird dann huckepack getragen, Cornelius nutzt in der Warteschlange zum nächsten Torschuss die Gelegenheit zu einem Schwätzchen.
Gentner lobt beim Torschusstraining gleichermaßen die Schützen („Super Schuss!“) wie die Torhüter („Klasse gehalten!) und stellt sich schließlich selbst ins Tor. Jugendleiter Wolfgang Körner lobt Cola für jeden aus, der Christian Gentner überwindet. „Aber nicht, dass euch wegen mir das Cola ausgeht!“, flachst der VfB-Spieler.
Am Ende bekommen alle noch ihre Autogramme auf die offiziellen Karten, Hemden, Mützen, Schuhe, Arme, und E-Junioren-Trainer Markus Pertuch ist zufrieden. „Eigentlich war’s sogar gut, dass wir nicht an der Mini-WM teilnehmen durften.“ Die Miedelsbacher waren bei der Auslosung leer ausgegangen, hatten aber als Ausgleich Trainingsgast Christian Gentner zugelost bekommen. „So haben wenigstens alle Spieler was davon gehabt.“
Eine gute Stunde mit dem VfB-Spieler, da gerät sogar der deutsche Viertelfinalsieg in Vergessenheit. Dann muss aber auch Gentner los. Nicht nur Nelly hat Geburtstag - auch Gentners Freundin. Und die will den Freitag nicht als den Tag in Erinnerung behalten, als Gentner mit den Miedelsbacher E-Junioren trainierte und bei ihrer Geburtstagsparty fehlte.
Quelle: Zeitungsverlag Waiblingen